17. Dezember 2019 Umwelt

Nicht genug mit dem Klimawandel in der Luft, der Atmosphäre der Erde. Jetzt haben Kieler Forscher festgestellt, dass auch die Sauerstoffgehalte im Meerwasser weiter zurückgehen. Damit verschieben sich die biologischen, chemischen und physikalischen Gleichgewichte.

 

Dieses Ergebnis wurde in dem Anfang Dezember vorgelegten und unter Mitwirkung von Wissenschaftlern des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel entstandenen 562-seitigen Bericht der International Union for Conservation of Nature (IUCN) auf der UN Klimakonferenz in Madrid vorgestellt.

 

Neben der Erderwärmung zeigt der IUCN-Bericht weitere Gründe für die Sauerstoffabnahme auf. Dazu gehören die Überdüngung von Küstengewässern und Veränderungen der Ozeanzirkulation. „Die globale Erwärmung trägt aber ihren Teil dazu bei, denn wärmeres Wasser kann weniger Sauerstoff aufnehmen, das dann von der Oberfläche in die tieferen Schichten des Ozeans transportiert wird“, erklärt Dr. Lothar Stramma, Ozeanograph am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Der Kieler Ozeanograph Dr. Sunke Schmidtko konnte in einer seiner Arbeiten nachweisen, dass der globale Sauerstoffgehalt in den vergangenen 50 Jahren um mehr als zwei Prozent zurückgegangen ist.

 

Der Bericht der IUCN zeigt auch deutlich, dass der Sauerstoffverlust regional sehr unterschiedlich verläuft. Während es also Regionen im Ozean gibt, in denen sich der Sauerstoffgehalt kaum verändert, ist die Entwicklung in anderen sehr viel deutlicher. Das betrifft vor allem Küstengewässer, in denen zusätzlich durch Überdüngung u.a. von Düngemitteln und Fischzuchten das Algenwachstum begünstigt und vermehrt Sauerstoff verbraucht wird.

 

In dem jetzt zu Ende gehenden Projekt konnten allerdings noch nicht alle Fragen zu diesem Thema beantwortet werden. „Zum Beispiel zeigen Computer-Modelle immer noch einen geringeren Sauerstoffverlust, als wir ihn im Meer wirklich messen. Das bedeutet, dass wir noch nicht alle damit zusammenhängenden Prozesse verstanden haben“, unterstreicht Prof. Dr. Andreas Oschlies.

 

 

Originalarbeit:

Stramma, L. and S. Schmidtko (2019): Global evidence of ocean deoxygenation. In: Laffoley, D., & Baxter, J.M. (eds). 2019. Ocean deoxygenation: Everyone’s problem – Causes, impacts, consequences and solutions. Gland, Switzerland: IUCN. xxii+562 pp, https://doi.org/10.2305/IUCN.CH.2019.13.en.

 

Links:

www.sfb754.geomar.de ↗

Sonderforschungsbereich 754 „Klima-Biogeochemische Wechselwirkungen im Tropischen Ozean“

 

www.geomar.de ↗

Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel