23. November 2020 Allgemeine News, Mittelmeer

Große Wale leben nicht nur in den Ozeanen, sondern auch im Mittelmeer. Die größten Vertreter dort sind Finnwal und Pottwal. Mittlerweile gibt es Versuche von Wissenschaftlern und Naturschützern, sie besser vor Kollisionen mit der Berufsschifffahrt zu schützen. Eine kurze Bilanz von der Insel Kreta.

 

Ocean Care aus der Schweiz ist eine Organisation, die sich dem Schutz der großen Meeressäuger seit vielen Jahren verschrieben hat. Von dort berichtet man über die jüngsten Forschungsergebnisse des „SaveMoby“-Projekts, ein Wal-Warnsystem im Hellenischen Graben, wo es südlich von Kreta die größten Wassertiefen im Mittelmeerraum gibt.

 

Dr. Alexandros Frantzis beobachtet hier seit 1998 Pottwale, die naturgemäß nur in Regionen mit großen Wassertiefen leben, weil sie dort Jagd auf Kalmare machen. Über die Arbeit in 2020 sagt der Wissenschaftler:

 

„Wir fuhren während sechs Wochen den Hellenischen Graben entlang, von der Insel Lefkas im Ionischen Meer bis Südkreta, wo wir seit Juni 2019 den Prototyp des Walwarnsystems testen, und dann wieder retour. Wir hatten während sechs Wochen nur drei Wal-Sichtungen, bei denen wir 18 Tiere identifizieren konnten. Das ist deutlich weniger als vor zehn Jahren, als vier Sichtungen pro Woche die Regel waren. Dieser Rückgang ist drastisch und bereitet uns Sorgen. Der Schiffsverkehr hat deutlich zugenommen, und er ist noch immer das größte Problem für die Tiere. Wir haben erstmals neue, noch schnellere Transportschiffe beobachtet. Eine gefährliche Entwicklung, denn die äußerst dicht befahrene Seestraße führt direkt durch den Lebensraum der griechischen Pottwale. Die Wale können die aus vielen Winkeln schnell herannahenden Schiffe schlecht orten und darum nicht schnell genug abtauchen. Zwei unserer drei akustischen Bojen waren trotz intensiver Suche unauffindbar, ein Wirbelsturm hat sie wohl vernichtet. Der Verlust ist zwar versichert, aber es gibt so natürlich Verzögerungen für unsere Forschungen.“