Deutschland - Delfinschützer kritisieren die WTO

(6.1.2015) Nach einer aktuellen Entscheidung der Welthandelsorganisation (WTO) darf delfintödlicher Thunfisch aus Mexiko nun in den USA als „delfinsicher“ verkauft werden. Eine Farce, findet die Gesellschaft zur Rettung der Delphine, GRD, gegründet vom verstorbenen Weltumsegler Rollo Gebhard...

In den USA durfte Thunfisch bisher nur dann als „delfinsicher“ bezeichnet werden, wenn er weder mit Treibnetzen noch durch Setzen von Netzen um Delfinschulen gefangen wurde. Jetzt müssen die USA ihre Vorgaben für Thunfisch aus Mexiko lockern.

Das Earth Island Institute (EII), der amerikanischen Partnerorganisation der Gesellschaft zur Rettung der Delphine e.V. (GRD) beim Internationalen Kontrollprogramm für delfinsicheren Thunfisch/SAFE, übt entsprechende Kritik. „Leider hat die WTO wiederholt gezeigt, dass ihr Umwelt, Natur und Wahrheit bei Zertifizierungsprogrammen egal sind. Mexiko soll sich wie jede andere Fischereination auch an dieselben Regeln halten, wenn es das US-Label ‚delfinsicher‘ verwenden will, und das bedeutet: keine Jagd auf Delfine, kein Einkreisen von Delfinen mit Netzen und keine toten Delfine. Alles andere macht aus dem Logo eine Farce.“

Die mexikanischen Fangflotten machen sich ein nur im tropischen Ostpazifik vorkommendes Phänomen zunutze, bei dem Thunfischschwärme oft mit Delfinschulen vergesellschaftet sind. Die Fischer orten die an der Wasseroberfläche schwimmenden Delfine, um den etwa 150 m darunter schwimmenden Thunfischschwarm einzufangen. Die Meeressäuger werden dann mit mitgeführten schnellen Beibooten gehetzt und in die Netze (Ringwade) getrieben. Dann wird die Ringwade unterhalb des Thunfischschwarms wie ein Beutel zugezogen. Delfine und Thunfische befinden sich jetzt im Netz. Bevor der Thunfisch an Bord geholt wird, werden die Delfine durch Herablassen des oberen Netzteils freigelassen. Allerdings kann nicht jeder Delfin lebend entkommen.

Durch diese Fangtechnik sterben jedes Jahr mehrere Hunderte, manchmal auch Tausende Delfine, sagen die Naturschützer. Die Meeressäuger werden mitunter mehrmals täglich gejagt und eingefangen, Mütter werden von ihren Kälbern getrennt, viele Delfine sterben nach der Fangprozedur, auch wenn sie freigekommen sind, an Verletzungen oder aufgrund von stressbedingten Krankheiten. Mit dieser weltweit einzigartigen Fangmethode sollen seit den späten 1950er-Jahren bis Anfang der 1990er-Jahre in der Thunfischerei mehr als 7 Millionen Delfine getötet worden sein. Ein Vergleich verdeutlicht das Ausmaß dieses Beifangtods: Etwa zwei Mio. Wale wurden im kommerziellen Walfang im 20. Jahrhundert getötet.