Niederlande / Deutschland - Kegelrobben jagen und töten Schweinswale

(4.12.2014) Aus Vermutung wurde Gewissheit: Forscher aus den Niederlanden haben den Beweis erbracht, dass Kegelrobben, wie wir sie von den friesischen Insel her kennen, für jeden fünften toten Schweinswal verantwortlich sind. Dabei ist die Population der Schweinswale per se sehr bedroht…

Eine der Haupttodesursachen für Schweinswale in der Nordsee sind Angriffe durch Kegelrobben. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des niederländischen Meeresforschungsinstituts Imares und der Universität Utrecht, die der wachsenden Zahl stark verstümmelter, toter Schweinswale an der holländischen Nordseeküste auf den Grund ging. Das Team untersuchte zunächst die Biss- und Kratzspuren bei drei toten Gewöhnlichen Schweinswalen (Phocoena phocoena) und fand darin die DNA von Kegelrobben (Halichoerus grypus). Durch eine Analyse der Blutungen wurde festgestellt, dass die Wunden vor oder nach dem Tod der Tiere entstanden – die drei Schweinswale waren demzufolge an den Angriffen der Robben gestorben und wahrscheinlich verblutet.

Die Verletzungen der drei Kadaver dienten auch als Analyseraster für Fotos von 1081 Schweinswalen, die zwischen 2003 und 2013 an der holländischen Nordseeküste gestrandet waren. 721 Bilder konnten ausgewertet werden, davon wiesen 444 Tiere großflächige Wunden in der Fettschicht auf. Unter denen, glauben die Wissenschaftler, fielen 120 der toten Schweinswale sicher oder mit großer Wahrscheinlichkeit einem Kegelrobben-Angriff zum Opfer. Dabei handelte es sich dabei um gesunde, gut genährte Jungtiere mit einer dicken Fettschicht.

Schweinswale sind in der Regel weniger als 1,80 Meter lang und gehören damit zu den kleinsten Walen. Sie wiegen nur bis zu 70 Kilogramm, wohingegen eine ausgewachsene männliche Kegelrobbe bei einer Länge von bis zu 2,30 Metern rund 300 Kilogramm auf die Waage bringen kann.

Die niederländischen Wissenschaftler rechnen vor, dass selbst bei einer konservativen Schätzung Kegelrobben für 17 Prozent der toten Schweinswale verantwortlich seien. Hinzu komme der unbekannte Prozentsatz toter Tiere, die nicht an die Küsten gespült, sondern zum Meeresgrund sinken würden. Damit wären Kegelrobben-Angriffe eine der Haupttodesursachen für Schweinswale in der Nordsee – neben dem Tod in Fischereinetzen als Beifang (20 Prozent), Infektionskrankheiten (18 Prozent) und Auszehrung (14 Prozent). Viele der verendeten Tiere seien an bei Schwimmern und Surfern beliebten Küsten gestrandet. Dazu heißt es in der Studie: „Es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass es nicht auch ein Risiko für Menschen gibt, von Kegelrobben angegriffen zu werden.“